Ganz oft höre ich von anderen Menschen, wenn ich meine Geschichte erzähle: „Da warst du aber ganz schön mutig!“
 
Falls du meine Geschichte noch nicht kennst, erzähle ich sie kurz.
 
Vor ein paar Jahren war ich in einer Beziehung. Die Jahre vergingen und plötzlich war ich ständig unzufrieden, genervt, schlecht gelaunt eben allumfassend mies drauf. Es hat lange gedauert bis ich gemerkt habe, woran das lag. Meine Beziehungen – und zwar die zum Partner, zum Job und auch zur Wohnsituation.
 
Aber auch dann konnte ich nicht gleich einfach etwas ändern. Diverse Ängste haben mich schwer blockiert und es ging einfach gar nichts. Ich konnte mir noch nicht einmal eingestehen, was ich an dieser Beziehung nicht gut fand, obwohl es offensichtlich war, zumindest für andere. Diese Beziehung war so weit weg von dem, wie ich mir eine Beziehung vorstelle. Doch das einzugestehen wäre, in meinen Augen, ein Eingeständnis, dass ich einen Fehler gemacht hätte. Und Fehler machte ich nicht, Perfektionismus lässt grüßen.
 
Also blieb ich und bastelte mir ein Leben drumherum. Die Unzufriedenheit blieb natürlich und setzte sich fest. Als dann mein Vater gestorben ist, ging gar nichts mehr. Starke körperliche Symptome, wie Herzrasen, machten mir zusätzlich Druck und Angst. Schließlich entschloss ich mich, mir Unterstützung zu holen. Beste Entscheidung ever!
 
Ich machte eine Reha, in der ich wieder zu mir fand, die eigentliche Melanie wieder entdeckte und wieder Freude am Leben hatte. Es dauerte dann aber noch fast ein ganzes Jahr bis ich endlich bereit war mich meiner Unzufriedenheit und den Ängsten zu stellen und mich von meinem Freund zu trennen. Und weil ich gerade so schön dabei war, habe ich auch noch meinen Job gekündigt, bin 350 km weg gezogen und habe mich selbständig gemacht.
 
Die meisten Menschen kennen nur den letzten Zeil ab der Trennung. Und dann heißt es so oft: „Boah, warst du mutig, das alles anzugehen, alles aufzugeben.“ Ja, das war vielleicht mutig. Für mich war es zu dem Zeitpunkt einfach nur das, was sich richtig angefühlt hat und daher tat ich es. Die lange Zeit des Nichtstuns, während ich blockiert war und voller Ängste, kennt kaum jemand. Und ohne Unterstützung wäre ich da auch noch nicht raus, denke ich.

Meine 3 wichtigsten Learnings aus dieser Zeit möchte ich gerne mit dir teilen:

 1. Hör auf dein Herz
Ja, tausendmal gehört. Aber es stimmt. Dein Herz sagt dir meist ganz genau, wann es irgendwo nicht stimmt. Es ist die Kunst, das wahrzunehmen und nicht zu ignorieren.

 
2. Mach dir klar, was du willst 
Erst als ich wieder wusste, was ich noch will im Leben, entstand Sehnsucht. Die hat so eine enorme Zugkraft, das kannst du dir nicht vorstellen.
 
3. Nimm dir jemanden zur Unterstützung 
Ich habe viele Jahre für den ganzen Prozess gebraucht, Es geht einfacher und schneller, wenn du dich unterstützen lässt. Jemand von außen kann Dinge ansprechen, die du erst noch verdrängst. So wertvoll!
 
An welchem Punkt stehst du gerade? Wie lange quälst du dich schon mit deiner Unzufriedenheit? Willst du auch endlich da raus?
 
P.S. Ich bin diesen Sommer auch mutig und werde durch die Berge kraxeln 😉