Hast du schon mal Urlaub in den Bergen gemacht?

Für die einen vielleicht ganz normal, für andere kommt das gar nicht in Frage. Ich war noch nie wirklich richtig in den Bergen. Ich war mal auf einer Skifreizeit in Italien und als Kind im Schwarzwald und Bayerischen Wald. Aber so richtig rauf auf die großen Berge habe ich es nie geschafft. Was heißt geschafft, das kam in meiner gedanklichen Urlaubswelt einfach nicht vor. Strand und Meer, bisschen Sightseeing, das war das, was ich mir unter Urlaub vorgestellt und auch gemacht habe.

So, nun ist mein Freund ein Bergmensch 😉 Von Kind an war er mit seiner family in den Bergen unterwegs. Nun wollte er gerne mit mir dahin. Ok, warum nicht. Interessanterweise stand ein Bergurlaub tatsächlich auf meiner Bucketlist.

Den ersten Geschmack bekam ich auf Sardinien als wir zu einer Bucht wanderten, über Stock und Stein und steile Abhänge. Danach sind wir ein paar mal im Harz unterwegs gewesen. Es waren ein paar sehr schöne Strecken mit dabei und ich fand Gefallen an der Sache.

 

Es geht los

Dann also Ende August auf nach Zakopane/Polen in die Hohe Tatra (Teil der Karpaten). Je näher wir kamen desto öfter fragte ich, ob das die Berge wären, auf die wir steigen würden. Jedes Mal war die Antwort „Nein, viel zu niedrig.“ Und ich fand die schon ganz schön hoch.

Was ich dann in den zweieinhalb Wochen danach erlebt habe, hätte ich mich nie zu träumen gewagt. Wir begannen mit dem kleinen Hausberg und bewältigten knapp 300 Höhenmeter. War anstrengend, weil sehr steil und vor allem heiß und schwül. Danach steigerten wir uns fast täglich. Als ich das erste Mal auf 1700 m war, fand ich das schon ganz schön hoch. Die Berge drumherum waren allerdings noch höher und ich dachte, da komme ich ja eh nicht hin, viel zu hoch. Mein Freund zeigte mir die Berge und Routen, die er noch geplant hatte und ich hielt ihn für verrückt. Da kann man doch nicht gehen. Wie soll man da rauf kommen?

Ja, einiges war zu ambitioniert von ihm, weil ich eben ungeübt und unerfahren war. Aber anderes habe ich gemeistert, obwohl ich mir das so bestimmt nicht zugetraut hätte. Es gab Situationen, da gab es halt auch kein zurück, also musste ich weiter. Das ein oder andere Mal habe ich geflucht und mich gefragt, warum ich das eigentlich tue. Aber letztendlich war es eine der besten Erfahrungen, die ich jemals gemacht habe und die Aussichten von da oben sind einfach wunderschön und atemberaubend.

 

Uiuiui…

Die eine Tour führte uns mit der Gondelbahn auf knapp 2000 m und dann wollten wir die Gipfel entlang „spazieren“ und irgendwo wieder runter gehen. Der Spaziergang war ein auf und ab von An- und Abstiegen und ziemlich anstrengend in der Höhe und der ungewohnt kalten Luft. Bis zum Ende haben wir es nicht geschafft und wählten daher einen früheren Abstieg. Der entpuppte sich als sehr steil und über ein Geröllfeld mit vielen Steinen. Ich musste mich höllisch konzentrieren, war etwas angespannt und auch schon leicht kaputt. Und dann plötzlich…Ketten! Ketten sind immer an schwierigen Stellen angebracht und wir waren uns einig gewesen, dass wir diese vermeiden wollten. Ok, sie waren da. Vor uns schon ein paar Menschen, die sich nicht so recht trauten und zwei Frauen, die richtig Angst hatten. Die eine meinte, sie geht wieder hoch und ob sie jemand begleiten würde. Wieder hoch? Ganz sicher nicht, das war für mich klar. Also, Handschuhe an und blindes Vertrauen in meinen Freund, der mich dann da runter gebracht hat. Unten war ich froh, glücklich, zufrieden und stolz auf mich, dass ich das geschafft hatte. Und die andere Frau hat sich dann auch noch getraut.

Es gab noch mehrere solcher Situationen, die ich mir nicht zugetraut hätte, wenn ich vorher dazu befragt worden wäre. Aber ich habe es immer versucht und letztendlich auch geschafft, weil es meist nicht so schlimm ist, wie wir uns das vorher ausmalen. Erstmal in der Situation drin relativiert sich doch einiges. So war der riesige Berg, den ich mir nicht vorstellen konnte zu erklimmen, plötzlich „bezwungen“. Und der Berg vom Anfang mit seinen 1700 m plötzlich irgendwie gar nicht mehr so hoch.

Ich habe so einige Dinge in diesem Urlaub für mich festgestellt und erkannt. Diese möchte ich gerne mit dir teilen. Daher hier:

 

Mein 5 Berg-Erkenntnisse

 

1. Es gibt Dinge, die wir schaffen können, die außerhalb unserer Vorstellungskraft liegen

Niemals hätte ich mir vorstellen können auf den Berg da (gefühlte 4000 m hoch) raufzukommen. Es war so unvorstellbar für mich. Warum? Weil ich noch nie irgendetwas Vergleichbares gemacht hatte. Weil es nichts in meiner Erfahrung gab, was das möglich gemacht hätte. Und vor allem, weil ich es mir nicht zugetraut habe. Das war alles viel zu groß, viel zu weit und viel zu anstrengend. Das kann mein Körper doch nicht schaffen. Wie soll das gehen?

Es ging. Und es ging gar nicht mal sooo schlecht. Klar, an der ein oder anderen Stelle war es schwierig. Aber hey, wir können nur wachsen, wenn es auch eine Herausforderung gibt.

Also trau dir mehr zu. Es gibt so vieles, das du schaffen kannst, was du dir heute noch nicht vorstellen kannst. Und das Tolle ist…wenn du erst mal so etwas gemacht hast, dann kannst du dir auch gleich noch wieder weitere Dinge vorstellen. Dein Grenzbereich erweitert sich enorm. Probier es einfach mal aus.

 

2. Einfach machen

Ganz ehrlich, am Berg hatte ich keine große Zeit, mir Gedanken darüber zu machen, ob das jetzt wie geht und ob ich das überhaupt will. Die Situation war da und musste gemeistert werden. Punkt. Entweder weitergehen oder umkehren. Umkehren war keine Option, da wusste ich ja, was mich erwartete 😉 Also, Augen zu und los. Und es ging. Ich bin jedes Mal am Ziel angekommen.

Wir müssen nicht immer alles im Vorfeld bis ins Kleinste durchdenken. Lass den Kopf mal aus und mach einfach. Der redet uns eh immer nur rein und will uns die Dinge ausreden, die alte Spaßbremse. Nein, machen, los, tu es einfach. Was soll schon passieren?

 

3. Du schaffst immer mehr, als du denkst

Wie oft stand ich vor einer Steigung und dachte, das schaffe ich nie. Ich bin schon kaputt. Meine Beine tun weh. Ich war am Schnaufen ohne Ende. Der Schweiß lief und ich war pitschnass. Aber ich ging weiter. Langsam, Schritt für Schritt. Und irgendwann war ich oben. Ich hatte es geschafft obwohl ich dachte, dass es nicht mehr geht.

Du kannst so viel mehr schaffen, als du denkst. Es ist der Hammer. Ich bin immer noch so geflasht davon, was ich alles geschafft habe. Und du kannst das auch. Du musst nur losgehen und dann immer weiter.

 

4. Du darfst auf deine Erfolge stolz sein

Klar, für manche ist das nichts Wildes auf einen Berg zu steigen. Es gab auch da Menschen, die sind einfach so hoch gelaufen, als wäre es eine gerade Strecke. Und auch mein Freund war so sicher wie eine Bergziege unterwegs. Aber die sind auf einem anderen Level. Mit denen muss und darf ich mich nicht messen. Ich habe für mich Großes geleistet. Basta. Und darauf bin ich verdammt stolz (mein Freund übrigens auch). Das darf ich auch sein. Denn ich habe meine Komfortzone verlassen, meine Grenzen erweitert und bin über mich hinausgewachsen. Da hat man allen Grund stolz zu sein.

Erkenne deine Erfolge an. Sei stolz darauf und feiere sie. Es ist nur wichtig, was du erreicht hast. Wenn andere weiter sind ist das gut für sie, aber kein Maßstab für dich. Es kommt nur auf dich an.

 

5. Alles ist möglich

Ja, ich weiß, diese ausgelutschte Aussage. Ich fand die auch immer doof. Aber es ist etwas Wahres daran. Als ich die Berge und Wege dahin sah, hätte ich nicht für möglich gehalten, dass ich dahin komme. Ehrlich nicht. Aber ich habe es geschafft. Und nachdem, was ich die letzten Wochen an „Unmöglichem“ geschafft habe, denke ich wirklich, dass alles möglich ist. Es kommt nur auf das Wie und die Vorbereitung an.

Verbau dir nichts bevor du es nicht versucht hast. Denke immer, dass es möglich ist und versuche es. Es ist tatsächlich alles möglich, wenn wir es wollen!

 

Ich bin so froh, dass wir diesen Urlaub gemacht haben. Ich kann zwei Punkte auf meiner Bucketlist abhaken, habe so viel über mich gelernt und erfahren und so megageile Eindrücke gehabt. Es war einfach gigantisch.

Teile mir gerne in den Kommentaren deine Erlebnisse mit, die dich enorm weiter gebracht haben. Ich freue mich, darüber zu lesen.